Solange in der Stadt Wien Rot-Grün noch das Sagen hat, erhöhen die Wiener Linien nach nur drei Jahren die Fahrpreise ab 1. Jänner 2018. Dabei trifft es die älteren Menschen am härtesten. Ihre Jahreskarten werden beim Einmalzahlung um elf und bei monatlicher Abbuchung gleich um 22 Euro teurer. Die „normale“ Jahreskarte kostet weiterhin 365 Euro, weil am grünen Vorzeigemodell in Sachen Öffi-Ticket nicht gerüttelt werden darf.

Nach Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec, die nach der Ankündigung der Preiserhöhung mit dem Sager „Die Wiener Linien greifen ins Geldbörsel der älteren Menschen!“  gegen die einseitige Belastung protestiert hatte, ortet Bezirksobmann Dr. Erich Wendl in einem aktuellen Kommentar „soziale Grausamkeit“.

Senioren zahlen mehr für die Jahresnetzkarte. Nur Senioren.

Immer wieder warnen Häupl und seine Gesinnungsgenossen vor “sozialen Grausamkeiten” im Falle einer türkis-blauen Regierung. Häupl hat Recht: Die sozialen Grausamkeiten beginnen schon jetzt. Aber sie kommen von ihm und von Seinesgleichen.

Eröffnung U1 Verlängerung
Dieses „Kaffekränzchen“ zeichnet für die wahre soziale Grausamkeit verantwortlich: Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, Noch-Kanzler Christian Kern, Stadträtinnen Stadträtinnen Ulli Sima und Renate Brauner, Bürgermeister Michael Häupl. (Foto: Wiener Linien/Johannes Zinner)

Soziale „Grausamkeiten“ ortete Häupl und viele seiner Gesinnungsgenossen, falls es zu einer türkis-blauen Regierung kommen sollte. Die Regierung steht noch nicht, und schon geht es los mit den sozialen Grausamkeiten. Vor allem gegen Pensionisten. Vor allem aber aus seinem unmittelbaren Machtbereich: die Wiener Linien erhöhen die Preise.

Eine Preiserhöhung nicht für alle, das wäre eventuell sozial unverträglich. Aber auf alle Fälle für Senioren. Das Jahresticket für Senioren wird um elf Euro teurer. Na ja, hört man sagen, das ist ja eh mäßig. Aber das jährliche Abo für Nicht-Senioren bleibt im Preis unverändert bei 365 Euro im Jahr. “Das war ein ausdrücklicher Wunsch der Stadt Wien, als Bekenntnis zum öffentlichen Verkehr”, erklärt Wiener Linien Geschäftsführerin Alexandra Reinagl gegenüber der „Wiener Zeitung am 7. 11.[i]

Simakarte
Öffi-Stadträtin Ulli Sima begründet die Preiserhöhungen für die Tickets mit den hohen Kosten des Netzausbaus. Nur die Jahreskarte würde gleich viel kosten – außer für Pensionisten. (Foto: Wiener Linien/Thomas Jautzen)

Irrtum ausgeschlossen, keine falsche Interpretation möglich. “Die Stadt” wünscht den Senioren eine teurere Jahresnetzkarte. Ausschließlich den Senioren! Begründung: die Seniorentarife seien seit zehn Jahren nicht erhöht worden, aber die Pensionen im gleichen Zeitraum um „durchschnittlich“ 10% gestiegen. Für die Nicht-Senioren, wird betont, sei der Betrag „immer noch niedriger als 2002.“

Um wieviel die Gehälter „durchschnittlich“ gestiegen sind, bleibt unerwähnt. In Facebook-Kommentaren stand zu lesen, dass die Tariferhöhung für Pensionisten „verkraftbar“ sind. Mag sein. Für im Erwerbsleben Stehende sind sie offenbar nicht verkraftbar. Auf ausdrücklichen Wunsch der Stadt Wien.

Jährliche Einmalzahlung macht es erträglicher. Aber: wie viele Pensionisten können es sich leisten, einmal im Jahr gleich 235 Euro an die Wiener Linien zu überweisen? Wer von jährlicher Einmalzahlung auf monatliche Zahlung umsteigt, zahlt noch einmal 11 Euro dazu. Erhöhung in diesem Fall beträgt 22 Euro. Ganz knapp weniger als 10%. Für Pensionisten zumutbar, auf besonderen Wunsch „der Stadt“.

PensionistenBim
Laut Wiener Linien können sie es sich angeblich leisten, mehr zu bezahlen: Senioren in den Öffis. (Foto: Wiener Linien/Johannes Zinner)

Übrigens: die Pensionerhöhung für 2018 macht gerade einmal 1,6% aus. Die Verbraucherpreise steigen in Österreich im Jahr 2017 um 2,04% [ii]

So wird der Einkommensunterschied zwischen Lohnempfängern und Pensionisten wieder vergrößert, scheibchenweise, sozusagen.

“Mein Wien ist net deppert”, soll Häupl nach der Wahl am 15. Oktober gesagt haben. Für diese Klugheit zahlen die Pensionisten. Auf ausdrücklichen Wunsch der Stadt.

Bim96
Es war einmal: 1995 gab es noch den „Sitzschaffner“ in der Bim. Damals kostete die Jahresnetzkarte 4.700 Schilling (336 Euro). Pensionisten zahlten die Hälfte! (Foto: Wiener Linien)

[i] http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtleben/927607_Die-Oeffis-werden-teurer.html  11.11. 18 Uhr 20

[ii] http://de.inflation.eu/inflationsraten/osterreich/historische-inflation/vpi-inflation-osterreich-2017.aspx  11.11. 19 Uhr 15