Der Justizpalastbrand als Meilenstein unserer Geschichte

Es war wieder einmal einer der hochkarätigen Kontakte von Bezirksobmann Dr. Erich Wendl, der den Simmeringer Senioren zu einer ganz besonderen Geschichtsstunde verhalf. Im Rahmen einer Sonderführung durchstreiften sie die Ausstellung „15. Juni 1927“ im Innenministerium. Dabei wurden sie vom Kommunikationschef des BMI Dr. Wilhelm Sandrisser persönlich begrüßt.

Sandrisser
Dr. Wilhelm Sandrisser (BMI) und Dr. Erich Wendl, Bezirksobmann ab5zig11.

Der für Medienkontakte, Sicherheitspolitik, internationale und EU-Belange zuständige Spitzenbeamte erläuterte eingangs, warum das Ministerium Ausstellungen wie diese organisiert. „Wir wollen zeigen, was Freiheit bedeutet.“ sagte Sandrisser und fügte an: „Wenn wir heute Probleme zum Beispiel mit Menschen aus anderen Kulturkreisen haben, die aus traditionellen Gründen persönliche Freiheiten etwa bei ihren Töchtern einschränken, dann müssen wir deutlich machen, dass wir in Österreich auf diese Freiheit größten Wert legen. Weil sie sich auch erst langsam entwickelt hat und hart erkämpft werden musste.“

 

Muigg
Historiker Mario Muigg

Einige Jahre aus dieser leidvollen Entwicklung führte dann der Historiker Mario Muigg den Besuchern eindrucksvoll vor Augen. Er bewies, dass der Brand des Justizpalastes am 15. Juni 1927 ein Wendepunkt in der geschichtlichen Entwicklung war. Dazu führte er die Gruppe zurück in das Österreich nach dem 1. Weltkrieg. In eine Zeit, in der politische Auseinandersetzungen teilweise mit Waffengewalt geführt wurden und die allgemeine Stimmung durch die Zeitungen aller Couleurs geradezu brutal aufgeheizt wurde.

 

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Aus diesem Gasthaus in Schattendorf hatten Heimwehrleute auf Schutzbündler geschossen und dabei das Kind und den Kriegsinvaliden getötet.

Ein Kriegsinvalide und ein kleiner Bub, die bei einer Auseinandersetzung zwischen Schutzbund und Heimwehr im burgenländischen Schattendorf ums Leben kamen, hatten zu einem Prozess geführt, bei dem die Beschuldigten freigesprochen wurden. Das führte zu spontanen Demonstrationen, die immer größere Ausmaße annahmen. Die Menschen setzten den Justizpalast in Brand. Die Polizei schoss. Bilanz: 89 Tote.

 

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Justizpalast in Flammen.

Dieses Ereignis sehen Historiker längst nicht mehr als einen einzelnen schrecklichen Vorfall an. Mario Muigg bezeichnet jenen 15. Juni als Auslöser der späteren Entwicklung in der 1. Republik: Bürgerkrieg, Austrofaschismus und diktatorischer Ständestaat.

 

gruppe1Zusammenfassend kann man ohne Übertreibung sagen, dass die gesamte Gruppe tief beeindruckt war. Das umso mehr, als sich alle Beteiligten darin einig waren, in ihrer Schulzeit nie etwas von jener dramatischen Zeit gelernt zu haben. Der Geschichtsunterricht endete in den 60er Jahren bei Kaiser Franz Josef und dem ersten Weltkrieg.gruppe2

 

 

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